• Sportbegeisterung

    Auf dem Campus herrscht allgemeine Sportbegeisterung. Das fordert Opfer. Dass zu Beginn des Semesters ein Fußballspieler auf dem Spielfeld zusammenbrach und starb, lag allerdings an dessen unbemerktem Herzfehler und war eine schockierende Ausnahme.

    Kleinere und mittelschwere Verletzungen sind an der Tagesordnung, bisweilen kommen auch Rippenbrüche, Bänderrisse und blaue Augen vor. Vor allem zu Semesterbeginn sah ich jeden Abend neue Armschlingen und mit Klarsichtfolie an Armen und Beinen fixierte Eiswürfel.

    Man bevorzugt die etwas härteren Sportarten wie Rugby, Boxen und La Cross. Die Fotos zeigen das Damen-Rugbyteam des Campus.

    Zum Homecoming Day (Alumni-Treffen) hats hier ziemlich geregnet, aber das tat dem Enthusiasmus keinen Abbruch.

    Ich kann es ja ein bisschen nachvollziehen. Vielleicht repariere ich Fahrräder u.a. deshalb so gern, weil ich mich da richtig schön schmutzig machen kann :D .


  • Kayaking on Rappahanock River

    This was four weeks ago, on a wonderful summer day.

    I had arrived back from Germany, thoughtful and was still assimilating a serious conversation in Erfurt. The best that I could do, was going into nature, together with John.
    Unfortunately I got only pictures of myself.

    It was great again. We saw turtles, watched a kayak competition, had a break and paddled a bit downstream, when we came back to the dock.

    Marcel waited with a delicious lunch-dinner. A perfect weekend day.


  • Herbst auf dem Campus

    Hier kommen nun doch einige Bilder vom herbstlichen Campus. Meinen Studierenden habe ich "Septembermorgen" von Mörike vorgetragen - mit dem Auswendiglernen haben sie sich allerdings schwer getan.

    Es kommen auch noch Bilder von einem Paddelausflug - als das Wetter noch sommerlich war.

    Die letzten zehn Tage bin ich krank gewesen - vielleicht wars doch die Schweinegrippe, wie M. vermutete. Jedenfalls habe ich nur das Nötigste gearbeitet und ziemlich viel geschlafen.

    Auf unserem language floor sind alle am Frösteln. Ich dachte ja, es läge daran, dass ich krank war. Da ich zu Beginn des Semester zur floor representative ernannt wurde (weil ich mich um einiges Organisatorische gekümmert habe), habe ich auf Bitten meiner WG-Genossinnen also mal eine "work order" an die Verwaltung geschickt. Ich hoffe nur, dass jetzt nicht so etwas Peinliches passiert, wie vor vielen Jahren in Kattowice, als man wegen der fröstelnden deutschen Studentin die Heizung im gesamten Wohnblock extra einen Tag früher anschaltete.

    Draußen ist es wärmer als drinnen und die Lesben (oder Transen?) aus dem ersten Stock frieren nach eigener Aussage nicht. Klar, zu zweit im Zimmer und mit Knutschfleck am Hals.

    Was das Mittagessen betrifft, herrscht hier Separation:

    Blick auf Ball Circle - hier spielen die Studis an Nachmittagen Frisbee und ich sitze oft hier und lese oder mache kleine Korrekturen.


  • Kurze Zwischenmeldung

    Ich habe lange nichts mehr von mir lesen lassen.

    Zwischendurch war ich für einige Tage in Deutschland, erst auf Konferenz in Bremen, dann in der Heimat. Unvergesslich wird mir der Zwiebelkuchen mit netten Leuten bleiben, wobei der Zwiebelkuchen weniger gut als die Gespräche waren.

    Da prallten die Ost-West-Ansichten aufeinander. Immer wieder dieses Unverständnis, wie man denn aus beruflichen Gründen weggehen könne - zumal mit Kindern und wenn man ein Häuschen hat. Hey, kommt doch alle mal in die USA: hier ist das überhaupt nichts Seltenes. Und das Haus wird mitsamt Inventar weiterverkauft.

    Am Tag der Deutschen Einheit war ich mit H. auf dem Petersberg. Wir führten ein Gespräch, das mich noch eine Weile beschäftigen sollte (und wird?).

    Den Rückflug ging ich mit Gelassenheit an, doch in Chicago verpasste ich den Anschluss: vor uns war ein Flugzeug aus einem islamischen Land angekommen. Diese Leute wurden sehr sorgfältig kontrolliert, da war nichts zu machen. Letztlich fehlte mir eine Viertelstunde. Trotz einer kostenlosen Übernachtung im Hotel war es ein ziemlicher Schlauch, denn um 3 Uhr morgens musste ich schon wieder aufstehen. Zu dumm, dass ich dann auch mein Seminar nicht halten konnte. Marcel sprang wieder ein. Ich brauchte die restliche Woche, bis ich wieder im Rhythmus war und wieder den Draht zu meinen Studis (und ihrem Wissen) hatte.

    Das Wiedersehen mit meinen Mitbewohnerinnen war sehr schön; gerade während meiner Abwesenheit habe ich gemerkt, was ich an ihnen habe und wie sehr die Gemeinschaft trägt. Bei vielen Gegensätzen sind einige dabei, die sehr integre Persönlichkeiten besitzen. Die ein oder andere Freundschaft fürs Leben könnte dabei sein.

    Bald mehr und dann auch wieder Fotos.

  • Kayaking auf dem Rappahanock River

    John hat mich eingeladen, mit ihm zusammen ein Stück auf dem Rappahanock River zu paddeln. Das war meine erste Erfahrung in einem Boot und die ersten zwei Minuten waren etwas angstbesetzt, weil ich das Kajak nicht unter Kontrolle hatte und fröhlich abdriftete.
    Danach war es nur noch super.

    (nicht von mir, Quelle: http://good-times.webshots.com/photo/2640197480101263298bvlxGR)

    Wir sahen Schildkröten, einen (See-?)Adler und viele Enten. John wartete geduldig auf mich, denn ich hatte die Technik noch nicht so raus. Das Wasser war ziemlich warm und oft recht flach. Am Ende bin ich sogar steckengeblieben. Paddeln ist ansonsten wie Radfahren, nur eben mit den Armen. Nichtmal Muskelkater habe ich bekommen, alles ist eine Frage des Willens und der Motivation, welche enorm hoch war.

    Das Wetter war super, Sonne und Natur pur - und das sozusagen mitten in der Stadt. Mich hat gewundert, wie wenige Menschen sonst auf dem Wasser unterwegs waren. In Erfurt wäre das ein echter Renner.

    Ansonsten habe ich leider eine Erkältung, die sich aber seit heute abend in Schnupfen auflöst, endlich. Ich habe mich über meine zuverlässige Heimbasis gefreut und nochmal über Mister X geärgert. Immer das Gleiche, frau muss sich damit abfinden, dass manche Leute nie kapieren, welches Spiel sie spielen. Games people play. Übrigens auch ein Thema in einem Gespräch zwischen Serena und mir.

    In der Küche eben großes Dröhnen - der italienische Professor kocht dort gerade und zerschreddert Basilikum!

    *Name natürlich geändert

  • Brave New World

    Hier muss man nicht mal die Haxen schwingen, um zu schauen, ob die Waschmaschine gerade frei ist:

    Laundry

  • Nina Hagen beim Stammtisch

    Eine meiner netten Aufgaben hier ist es, einen "Deutschen Stammtisch" zu leiten. Da Alkohol auf dem Campus verboten ist, wird das schlichtweg eine Gesprächsgruppe. In der letzten Woche haben wir Themen gesammelt. Eines soll "Musik" sein. Rammstein wurde genannt - oioi. Sie sollen aber auch Nina Hagen bekommen, z.B. :DD

    Das schulde ich dem Lokalpatriotismus.

    Die Zustände hier sind paradiesisch. Nur wenige Studis, alle superhöflich und wohlerzogen, dauernd hält mir irgendwer die Tür auf, der Kurs macht Spaß, ich lerne und reflektiere viel über meine eigene Sprache, Marcel füttert mich mit Material, so dass sich der Aufwand in Grenzen hält, null Gremienarbeit :D. Morgens (bzw. nach dem Kurs) sitze ich an der eigenen Arbeit, Ruhe, alles ist organisiert, nette Mitbewohnerinnen, studentische Atmosphäre, schöner Campus, warmes Wetter, hat alles ein bisschen was von Elfenbeinturm.

  • Räume

    Ein immer noch aktuelles Buch ist Henleys Körperstrategien. Geschlecht, Macht und nonverbale Kommunikation (englischer Titel: body politics). Darum geht es eigentlich weniger um Feminismus und mehr um Körpersprache bzw. nonverbale Kommunikation im allerweitesten Sinne. Ein Beispiel ist die Dimension Zeit. Wer wartet auf wen, wer lässt wen warten? Ich denke z.B. an die Augenärztin in Erfurt, die es sich leisten kann, ihre PatientInnen auf die Geduldsprobe zu stellen, wo man schon drei Monate auf einen Termin warten muss. Raum ist ein anderes Beispiel: während der Chef ein großes Büro ganz für sich allein hat, drängeln sich drei Sekretärinnen in einem engen fensterlosen Büro.

    Mein erstes Schockerlebnis war der Schreibtisch, hinter dem hier ausnahmslos alle DozentInnen sitzen. Nicht mal Prof. R. aus T. blieb hinter seinem sitzen, sondern kam zum Gespräch an einen, allerdings niedrigen, Tisch. Meine Kolleginnen in Erfurt würden vielleicht schauen, wenn ich sie vor meinem Schreibtisch platzieren würde. Nicht eine/r hat das Büro so arrangiert, man sitzt immer an einem Tisch oder ohne Barriere im Raum, manchmal werden kleine Süßigkeiten angeboten.

    Aber nun ja, man kann sich daran gewöhnen, und arrogant sind die KollegInnen nun beileibe nicht. Es ist eben ein Signal mit einer völlig anderen Bedeutung (oder doch nicht? Ich bin mir noch nicht ganz sicher).

    Kleidung, die zweite Haut. Ich fühle mich hier latent underdressed. Während in Berkeley die großen Profs in Bermudas und Schlabberhemden zur Arbeit kamen und frau anfangs total overdressed war, legt man hier Wert auf gediegene Klamotten. Die meisten sind sogar ausgesprochen geschmackvoll angezogen. Marcel kommt mit Hemd und farblich passender Krawatte, immer wie aus dem Ei gepellt. Die Faculty Dinning Hall atmet eine gediegen-geschmackvolle Atmosphäre. Ach, hätte ich mir doch noch den Sommeranzug bei Breuninger gekauft.

    Die kurzen Filmaufnahmen zeigen die Honor Convocation vor zwei Wochen, wo die Profs im Talar auftreten. War durchaus sehr feierlich.

    Jetzt am Wochenende habe ich meine eigenen Räume erweitert, indem ich mit dem Rad die Umgebung erkundet habe. Abgesehen davon, dass frau immer wieder auf Auto-Strukturen trifft, ist die "Natur" hier sehr nah. Auch kann man dem Verkehr eigentlich sehr gut ausweichen, wenn man weiß, wie und wo.


  • Die Wärme der Gemeinschaft

    Am Sonntag telefoniere ich mit X. Zuerst freue ich mich über das Wiederhören, dann die rasche Desillusion: Er geht mit K. zum Domstufen-Festival. Ausgerechnet. Von mir hat er in der Öffentlichkeit immer schön Abstand genommen; das wird mir allerdings erst so richtig aus der Distanz klar. Nur nie den Verdacht aufkommen lassen, dass etwas zwischen uns sein könnte, vor allem nicht bei seinen Freundeskreisen, deren nassen Alkoholikern ich ein Dorn im Whiskyglas war. Da gab es einige schäbig-feige Episoden.

    Auch wenn einiges schon im wahrsten Sinne des Wortes verjährt ist, nimmt frau sich selbst doch immer mit in die Fremde und ich brauche schon einige Stunden zum Verdauen.

    Zum Glück gehe ich am Abend zum Gottesdienst der Episcopal Church (Celtic Service), der ganz gut ist - allerdings hauen die Amis ja immer in die Vollen, wenn es um Emotionen geht.

    Als ich, schon viel besser drauf, nach Hause komme, sitzt die große Runde in der Küche. Wir essen Serenas gefüllte Blätterteigtaschen und diskutieren über die Medien und das Böse. Gemeinschaft kann so aufbauend sein!


  • Jede Menge los

    War das eine Woche - ich habe jedenfalls eine Menge geschafft. Fotos sind auch in der Mache, werden gerade hochgeladen und kommen noch.

    Meine erste Email kam von Professor K.: "Ich mache mir Sorgen, wo bleibt der Artikel?" Ich hatte gedacht, das hätte noch bis Ende September Zeit, habe mir dafür extra alle Unterlagen ins Arbeitszimmer gelegt. Also sofort. Ohne jegliche Basis - selbst das QL-Handbuch ist noch unterwegs, habe ich alles korrigiert, in mehreren Runden versteht sich. Nebenbei noch einiges gelernt über diverse statistische Verteilungen. Damit waren die frühen Morgen und die Abende schon mal voll. Jetzt aber ist es druckreif und A., der Guru des Gebietes, hat mir einen lobenden Kommentar geschrieben.

    Mein Fahrrad lag brach in der Ecke, ich bin einfach nicht zum Zusammenbauen gekommen. Als ich am Mittwochabend doch daran ging, musste ich entdecken, dass ich die vier Tütchen mit den Schrauben nicht mehr zuordnen konnte.

    Das hat mich vier Stunden gekostet. Ich fluchte die ganze Zeit still in mich rein. Das passiert mir nicht nochmal.

    Weil die Konstruktion mir doch unsicher erschien, bin ich damit zum Händler gefahren. Auf dem Weg merkte ich schon, dass etwas nicht stimmte. Und tatsächlich ist das äußere Kettenblatt verbogen. Klar, es war ja auch ziemlich ungeschützt.

    Wie man an den Fotos oben sehen kann, wohne ich hier schlicht im Studiwohnheim. In meiner Etage sind auch die anderen Adjunct Professorinnen für die Sprachen untergebracht. Zuerst kam Nena (Name geändert) aus Spanien. Es ist ihr erster USA-Aufenthalt und der Besuch von Giant (Supermarkt) war ein echter Kulturschock - ist es ja für jede Europäerin.

    Als die Lektorin für Französisch ankam, fiel mir erstmal die Klappe runter. Voll verschleiert! (Ok, das Gesicht ist zu sehen). Meine Assoziation: "Konservativ, gibt Ärger." Sie ist meine direkte Nachbarin und wir teilen uns ein Bad. Soweit läuft es aber gut zwischen uns, obwohl ich gespannt bin, was passiert, wenn ich mal männlichen Besuch mitbringe.

    Außerdem gibt es im Erdgeschoss ein Experiment: Dort wohnen Schwule und Lesben zusammen. Als Nena das Serena (Name geändert) erzählte, reagierte diese recht distanziert. Ich habe bislang nur die Lesben getroffen und finde sie ganz witzig. Marcel und J. haben mir erzählt, dass die schwullesbische Gemeinschaft lange für diesen Wohnstil gekämpft hat. J. sagte (scherzhaft?) ich solle mich mit ihnen anfreunden und dann immer berichten. Es wird sicherlich sehr interessant werden.

    Sonst sind jetzt auf dem Flur: die deutsche und die italienische Austauschstudentin, die italienische Lektorin (sehr nett, redet noch mehr als ich) und die Chinesin.

    Soweit zu meiner häuslichen Situation. Bald mehr von der weiteren ...

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